Sehr spezielle Frage an die Elektronikexperten unter uns

  • Hat evtl. schon mal jemand ein Arduino-Board fest verbaut und (Langzeit)Erfahrungen damit? Insbesondere Piste und Hitze?


    Viele Grüße
    Joerg

  • Hi,


    interessantes Board. Was willst du denn damit machen?


    Guck malnach den Spezifikationen des Bords. Wenn da ein Temperaturbereich -40...+85°C angegeben ist, dann sollte das schon OK sein. Problematisch sind wohl ehr die Steckverbindungen wegen der Rüttelfestigkeit. Wenn die angeschlossenen Kabel in einem Gehäuse gut befestigt werden, oder angelötet werden, dann sollte das schon klappen.
    Ich würde damit aber nur auf große Tour gehen, wenn damit keine lebenswichtigen Funktionen gesteuert werden, sondern nur Komforfunktionen auf dieman auch verzichten kann. Oder du brauchst eine Backuplösung.

    Gruß, Holger


  • Bis jetzt habe ich nur ein paar verschwommene Ideen. Letzte Woche hat mich eine befreundete Grafikerin darauf gebracht. Sie hat das Board auf der Decoded Conference in München entdeckt.
    Aber das Ding ist ja so unglaublich einfach zu programmieren. Mir kommen ständig neue Ideen, was man alles damit umsetzen könnte :)

  • Ich habe Erfahrungen mit den ARDUINO-Boards. Es gibt davon zahlreiche Varianten: Grundsätzlich unterscheidet man die mit USB-Anschluss zum direkten Verbinden mit dem PC und solche ohne, z.B. das ArduinoBoardMini. Die ohne USB brauchen eine zusätzliche Schaltung zum Programmieren. (http://www.arduino.cc/en/Main/Boards)
    Leider verwenden die meisten die billigeren Chips für den 0-70° Temperaturbereich und die Spannungsregler haben fast keine Schutzbeschaltung. Noch dazu werden billige Varianten mit einem recht hohen Ruhestromverbrauch verwendet. Oder Der Spannungsregler verträgt nur max. 9V Eingangsspannung.
    Im Bordnetz würde ich die alle nicht direkt verwenden, da muss man schon wissen was man macht. (+-100V Spannungsspitzen und andere bösartige Störungen)
    Es ist jedoch nicht schwierig ein "Arduino-kompatibles" Board zu bauen, dass man problemlos im Auto verwenden kann. Wenns noch stromsparend sein soll, wirds etwas komplizierter, aber alles machbar...

  • Meistens ist ja die SW Schuld, wenn der Stromverbrauch zu groß ist :mrgreen::roll::lol:
    Ja, ein bischen Filterbeschaltung sollte man schon für so ein non-automotive Board davorschalten, ein Keramik C, Verpolschutzdiode, Elko 220uF und noch einen keramischen C. Außerdem vielleicht den eingebauten Spannungsregler gegen einen automotive Typen mit niedrigem Eigenverbrauch tauschen, z.B Infineon TLE4275.

    Gruß, Holger


  • So einfach geht das nur wenn das Gerät nur bei ausgeschaltetem Motor benutzt werden soll. Wie übrigens die meisten kommerziellen Geräte. Steht dann irgendwo klein in der Betriebsanleitung... Besonders übel beim Bordnetz sind große, ältere Dieselmotoren wegen dem kräftigen Anlasser, der ev. schon Verschleißerscheinungen zeigt.
    Zitat LT: "But before you connect, be advised: you are plugging into the supply from hell."
    Eine gute Zusammenfassung der mindestens notwendigen Schutzschaltung gibt es auf http://www.dse-faq.elektronik-kompendium.de/dse-faq.htm#F.23
    Geeignete(!) Sicherung, Drossel, Transil und ausreichend dimensionierte ELKOS. Keramische Kondensatoren sind da ungeeignet.
    Beim Arduino hat die Software nahezu keinen Einfluss auf den Stromverbrauch, da keine Stromsparmodi vorgesehen sind. Der Mikrocontroller zieht also solange er eingeschaltet ist etwa 40mA, dazu kommt noch der Stromverbrauch des Spannungsreglers (bis zu 10mA wenn man nicht aufpasst!) und was sonst noch dranhängt.
    Spezielle Automotive-ICs sind in Einzelstückzahlen leider fast nicht zu bekommen, sind aber auch nicht wirklich notwendig. Industrial Temperature Range (-40 bis 85°C im Betrieb) reicht aus. Bei der Bauteilauswahl muss man beachten, das es als unzuverlässig bekannte Bauteile gibt. Tip: Texas Instruments hat eine "High Rel" Produktlinie. Bauteile, die es auch als High Reliability-Typ gibt, haben sich auch in der normal spezifizierten Variante als zuverlässiger erwiesen.
    Ich habe mehrere Schaltungen zuverlässig in verschiedenen Fahrzeugen im Einsatz (Natürlich keine, die in irgendwelche kritischen Funktionen eingreifen können!) Das Problem ist beherrschbar.

  • ... Elko hatte ich ja geschrieben.... der bügelt schon einiges von den "bösen" Pulsen platt. Die modernen Spannungsregler können den Rest ab. Die Transil Dioden verbaut heute eigentlich keiner mehr als Eingangsschutz weil zu teuer.

    Gruß, Holger


  • Den Elko darf man auf keinen Fall ohne Schutzdiode direkt ans Bordnetz hängen, denn es können dort auch negative Spannungspulse vorkommen (z.B. wenn ein Relais abfällt) und das mögen die überhaupt nicht. Sie werden zwar nicht gleich kaputt, erhöhen aber ihren Innenwiderstand und filtern schlechter. Die schnellen Störpulse kann ein Elko nicht glätten wegen seines Innenwiderstandes und der Serieninduktivität. Die gehen übigens auch durch den Spannungsregler durch. Störungen > 10..100kHz kann der nicht ausregeln. Das schafft nur eine ausreichend bemessene Drossel. Dazu ev. noch einen Ferrit. Die Schutzdiode muss auch ausreichend schnell sein, also keine normale Gleichrichterdiode.
    Beim Bordnetz muss man vorsichtig sein, ich habe da selbst schon schlechte Erfahrungen gemacht und unglaublichen Pfusch von angeblichen "Experten" gesehen...

  • ja klar, mit Verpolschutzdiode.. hatte ich auch geschrieben... sonst gibts bei jedem kleinen Spannungseinbruch einen Reset.
    Glaub mir,ich kenn das,ich arbeite in der Automobil Elektronikentwicklung seit über 20 Jahren.
    Auf die TransilDioden kann man verzichten, wenn ein Spannungsregler mit 35 oder 40V Spannungsfestigkeit verwendet. Kann schon sein,dass man die so schwer bekommt. Bei einem einfacheren Regler ist man mit Transil Diode auf der sicheren Seite.


    Aber zurück zum Board: Wenn das keinen Schlafmodus hat und immer 40mA braucht, ist das aber nicht so toll. Das saugt dann immer schön an der Batterie. Der Controller sollte normalerweise einen Sleepmode haben, oder wenigstens eine Möglichkeit auf einen langsameren Oszillator umzuschalten.

    Gruß, Holger


  • Was hat eine Verpolschutzdiode mit Reset zu tun? Einen Reset gibts (hoffentlich! Keinen Controller ohne Brown-out Detektor...) wenn der Spannungsregler eine so niedrige Eingangsspannung bekommt, dass er seine Ausgangsspannung nicht mehr liefern kann oder wenn Störungen eingekoppelt werden. Die Verpolschutzdiode schützt vor falschem Anschließen und negativen Spannungspulsen. Den Rest macht die Drossel und eine Transil ist ebenfalls empfehlenswert. Mag schon sein das die recht teuer sind, wir bauen die auch bei Industrieelektronik aber immer ein.
    Die Tests für Automobilelektronik schreiben übrigens u.A. +-100V Testpulse vor, das sind höhere Anforderungen als bei Industrieelektronik.


    holger4x4: Nicht böse gemeint: Aber welche Fahrzeuge darf ich mir auf keinen Fall kaufen (also die mit der fehlenden Schutzelektronik...) ? ;)

  • Zitat von Starchild

    holger4x4: Nicht böse gemeint: Aber welche Fahrzeuge darf ich mir auf keinen Fall kaufen (also die mit der fehlenden Schutzelektronik...) ? ;)


    Keine mehr :mrgreen: weil die schon bestimmt seit 10 Jahren kaum noch verbaut werden. Die Spannungsregler werden besser, die restliche Bordelektrik erzeugt weniger Störungen und die Generatoren auch.
    Das mit der Verpolschutzdiode ist so: Wenn keine Diode vorhanden ist, saugt jeder negative Spannungspulse oder kurzer Einbruch den Elko leer. Der (angenommene) 5V Regler macht dann irgendwann bei gut 5V Eingangsspannung oder weniger einen reset für den Controller. Mit Verpolschutzdieode wird der Elko nur von der Last = Controller langsam leergsaugt, so kann man 10...100ms ohne Reset überleben und den Elko als Energiepuffer nutzen.


    Aber lassen wir mal die Detaildiskussion hier, es ging ja eigentlich um den Einsatz des Bords. Mir ist immer noch nicht so recht klar, was man denn Tolles damit im Womo machen soll?
    Das sieht mir mehr aus nach:Ich hab eine Lösung, was könnte denn das passende Problem sein :mrgreen:

    Gruß, Holger


  • Ich kann nur auf http://www.mikrocontroller.net…_Automotiv_Protection.pdf verweisen. Und da man das als Privatperson oder kleine Firma nicht wirklich testen kann, muss man etwas überdimensionieren.
    Die Arduino-Plattform ist für erste Startversuche mit Mikrocontrollern ideal, aber für komplexere oder speziellere Dinge einfach viel zu eingeschränkt.
    Einsatzzwecke für Mikrocontroller im Auto würden mir viele einfallen, hab auch selbst welche verbaut.

  • Da kamen ja ein paar Beiträge zusammen :)
    Um mal ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen. Es geht mir immer noch um die Frischwasser/Abwasser Geschichte. Eigentlich wollte ich ein schickes Analogteil aus dem Yachtbedarf einbauten. Platz ist sehr knapp bei mir. Deshalb ist der Abwassertank viel viel kleiner als der Frischwassertank. Dementsprechend schnell ist er auch voll - oder läuft über ...
    Zwei Anzeigen wären da nicht schlecht, aber dafür ist kein Platz da. Also versuche ich mich langsam mit einer Digitalanzeige anzufreunden. Und mit so etwas wie einem Arduino Board ist es für einen (Elektronik)Laien wie mich möglich Kapazitäten und Spannungen zu messen und über eine Digitalanzeige auszugeben.
    Ich war jetzt gerade im Urlaub und konnte mir ein paar Gedanken darüber machen. Ein Betrieb bei laufendem Motor ist weder vorgesehen noch notwendig - aber auch nicht wirklich auszuschließen. Starchilds Link ist also sehr hilfreich (Danke!). Damit ich keinen stillen Verbraucher habe, würde ich das Board einfach über den Schalter für das Innenlicht schalten. Da fallen ein paar mA nicht mehr wirklich ins Gewicht.

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