So, liebe Leute,
nachdem ich ja schon allerlei zu allerlei Details gekritzelt habe, stelle ich doch mal mein Kabinenprojekt vor und zur Diskussion. Ich werde bei allem, was ich mir bisher so ausgedacht habe, erzählen, was ich mir dabei gedacht habe – und freue mich auf Kommentare. Vorsicht – es wird länger ...
Vorgeschichte
Wir sind die letzten 10 Jahre häufig mit Geländewagen und (140er Falt-)Dachzelt nebst Markise unterwegs gewesen, hauptsächlich in Europa, aber auch Tunesien und Marokko. Das war gut; ich bin eigentlich der "Draußen-Leben-Typ", insofern hat das gut funktioniert – auch wenn es bei wochenlangem Regen manchmal etwas kühl war. – Voriges Jahr waren wir zwei Monate in Nord-/Westafrika unterwegs, Marokko und Mauretanien bis an die Grenze Senegal; da bin ich ins Nachdenken gekommen: a) hat wirklich der Wind gestört, der in der Sahara halt praktisch immer weht, vor allem in der Nacht. Da flattert das Dachzelt ständig sehr; Demontage des Überdachs hat das Flattern reduziert, dafür war es bei Sonne bockheiß im Zelt, weil der Isolationseffekt fehlte. b) Wir waren mit vier Autos unterwegs, es war auch ein Mitreisender mit großer Tischer-Absetzkabine (auf Ford Ranger, 170 PS Automatik) dabei. Ich war erstaunt, wie gut der auch im Tiefsand zurecht kam. Da kam ich auf die Idee, es auch mal mit einer Pickupkabine zu versuchen.
Nähere Überlegungen
Nachdem ich mich seit rund 35 Jahren immer mal mit Pickup-Wohnkabinen beschäftigt habe (als teils festangstellter, teils freier Redakteur bei einschlägigen Allradzeitschriften, neuerdings bei einem Wohnmobil-Blatt) und mich in Wahrheit KEINE der existierenden Lösungen so wirklich überzeugt hat, die ich dabei kennenlernen konnte, kam eigentlich nur ein Selbstbau in Frage. Die Idee einer Absetzkabine schied früh aus den Überlegungen aus; da wird einfach zu viel sinnloses Gewicht herumgeschleppt und zu viel Raum vergeudet. Also Festaufbau. – Erster Gedanke: mit Hubdach. Dank weniger Fahr-Außenhöhe mutmaßlich besser zu fahren, bei geeigneter Ausführung containertauglich – und sieht einfach besser aus. Bei näherer Betrachtung und gründlicher Überlegung hat die Hubdachlösung (ich hatte an ein Parallelhubdach mit Stoffbalg gedacht) aber auch gewichtige Nachteile, die durchaus (auch) wörtlich zu nehmen sind: Der Hubdachmechanismus (Linearantriebe, Scherengestänge zur Führung) wird ganz schön schwer – und auch der Stoffbalg (inklusive allfälliger Isoliermatten etc.) wiegt ganz schön was. Die zusätzlichen Quadratmeter Sandwichplatte sind im Endeffekt leichter: da ist mit rund 5-7 kg pro qm zu rechnen, also bei insgesamt ca. 3,5 qm mehr an beiden Seitenwänden insgesamt mit grob übern Daumen 20-30 Kilo. Dazu kommen weniger Restriktionen beim Innenausbau, außerdem natürlich die bedingungslose Wetterfestigkeit und Windresistenz. Dagegen spricht die klotzigere Optik, der höhere Luftwiderstand und die größere Seitenwindempfindlichkeit beim Fahren.
Das Lastenheft
Was wollte ich also? Na, am liebsten natürlich ALLES, und zwar SOFORT. – Gesetzt war ein festes oder quasi-festes Bett. Geht am besten mit Alkoven. Da die Kabine nicht so breit werden soll, am liebsten außen nicht über 1,90 m, schied ein Querschläfer aus. Gesetzt war auch eine großzügige Küche. Mit Einflammkocher und Mini-Arbeitsfläche bin ich nicht zu locken, ich esse und koche einfach gern gut. Recht hohe Dringlichkeit hat auch ein separater Sanitärraum mit Duschmöglichkeit, letztere unbedingt OHNE Duschvorhang, der dann wie eine zweite Haut am Körper zu kleben pflegt. Naja, und natürlich Stehhöhe, wobei mir da 1,90 reicht, weil sowohl ich als auch meine Herzdame nur 1,75 bzw 1,70 lang sind.
Das Ganze sollte auf jeden Fall 1. möglichst leicht, 2. sehr leicht und 3. vor Allem leicht sein. Außerdem schwebten mir Maximalmaße vor: keinesfalls länger als sechs Meter, keinesfalls höher als drei Meter, außerdem nicht breiter als rund 1,90 Meter. Und die Geländetauglichkeit des Basisfahrzeugs sollte selbstredend nicht durch eine tiefen und übermäßig langen Hecküberhang reduziert sein. Die Gewichtsverteilung vorn/hinten (Achslasten) sowie auch links/rechts sollte passen; möglichst sollte auch die Anhängerkupplung erhalten bleiben.
Das Basisfahrzeug
Vor allem drei Dinge waren (aus der Erfahrung heraus) klar:
• Es musste ein 1,5-Kabiner sein, weil ein Single Cab mir vorne drin einfach zu eng ist (auch wenn mir 2 Sitzplätze reichen) und ein Doppelkabiner mit Wohnkabine wenig Sinn ergibt, wenn man eh nur zu zweit reist und daheim ein, zwei weitere Autos mit mehr Türen und Sitzplätzen hat.
• Ein Ad-Blue-Auto kam nach allerlei einschlägigen Erfahrungen mit unterschiedlichen Fahrzeugen keinesfalls in Frage: Ich goutiere es nicht, mir von meinem Auto sagen zu lassen, dass ich jetzt noch genau 1136 km weit fahren und dreimal starten darf, danach ist Sense – weil zB der Sensor im AdBlue-Tank kaputt ist (alles schon selbst erlebt). Im weiteren Schritt sollte auch kein Rußfilter (DPF) an Bord sein; auch hier spielen die Erfahrungen 2025 in Mauretanien eine Rolle; ein bissel weiter drüben ist man froh, wenn man überhaupt Diesel aus einer Fasspumpe bekommt (Benzin gab's generell nicht), auch wenn das eine Art gesättigter Schwefellösung ist, die bei allen drei Autos mit DPF den Filter zusetzte und zum ständigen versuchten Regenerieren anregte (bei meinem Ssangyong noch am wenigsten). Ja, ich weiß, sowas kann man entnehmen und rausprogrammieren lassen; besser von vornherein gar kein DPF da – dann bleibt's auch egal. Die Tatsache, dass ich mit solch einem Höchstens-Euro-Vier-Auto nicht in viele Feinstaubzonen fahren darf, stört mich allenfalls peripher – eigentlich lasse ich mir mein Auto eh nicht so gern einstauben, sprich: ich halte mich nicht gern in derlei Großstädten auf.
• Unbedingt gesetzt war auch ein Automatikgetriebe. Ich bin Wüstenfan, Sand ist meine bevorzugte Fahrbahn. Da will man einfach auf die Drehmomentverstärkung durch den Wandler und den unterbrechungsfreien Gangwechsel nicht verzichten. Das fährt sich daveinfach so viel entspannter und erspart öfter mal das Buddeln; außerdem bewegt man sich auch in ganz langsamen, schwierigen Situationen – wie etwa Felsenklettern am den Genzen der Bodenfreiheit – so viel geschmeidiger und zudem verschleißfrei; und dass man sich mit Automatik nicht "freischaukeln" kann, stimmt so auch nicht.
Alles zusammen fand ich (und ich hab lang gesucht) nur in einem Auto: dem Isuzu D-max der ersten Generation (also von 2002 bis 2012, hierzulande erst ab 2007 importiert). Da fand ich nach einem halben Jahr Suche einen in erstaunlich gutem Zustand, mit erst 152.000 km und dem großen 3,0-Liter-JJ1-Vierzylinder, der angeblich bei 500.000 km noch lange nicht am Ende seiner Möglichkeiten ist.
Der Vor-, aber auch der Nachteil dieser älteren Smallsize-Pickups ist, dass sie (verglichen mit den heutigen Angeboten) noch spürbar kleiner sind. So ist der D-Max 1 insgesamt nur rund 1,70m hoch, die Aufnahmepunkte des Rahmens liegen auf rund 70 cm über der Fahrbahn (beides natürlich mit Serienfahrwerk und -bereifung). Das Gefährt wird also nicht exzessiv hoch – auch wenn man ausreichende Stehhöhe in der Kabine vorsieht. Der Nachteil: Ich habe nur 3,05 m Radstand – vergleichbare aktuelle Autos um die 3,20 m; eine für meine Bedürfnisse ausreichend lange Kabine braucht also relativ viel Hecküberhang. Vorteil ist die im Verglich zu moderneren Pickups recht kurze Motorhaube, Nachteil der relativ große Wendekreise durch die Drehstabfedervorderachse. Weiterer Nachteil speziell meiner Modellversion: Großer Motor und Automatik sind der schwerste lieferbare Antriebsstrang. Der Wagen bringt mit Pritsche 1960 Kilo auf die Waage, hab ich selber nachgewogen. Es bleibt also relativ wenig Nutzlast, denn das (Serien-)zGG liegt bei 2950 – nur im Anhängerbetrieb sind "gnadenhalber" 3050 eingetragen. Also ist Leichtbau ganz besonders angesagt, denn ob ich das Ding aufgelastet bekomme, ist ungewiss. Fahrwerksseitig kann ich vorne die Drehstäbe etwas höher drehen, hinten kommen Zweikreis-Luftfedern (eventuell mit Verbindungs-Magnetventil für mehr Verschränkung) zum Einsatz. Reifengröße voraussichtlich 255/75 R 16 statt 245/70, das bringt auch nochmal ein paar Zentimeter Luft unterm Bauch.
Fortsetzung folgt, ich darf nur 10000 Zeichen ...