Auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.
Als Schweizer kann ich dir ein paar meiner Erfahrungen weitergeben. Bedenke aber dass die Zulassung meines Womos schon ein paar Jahre zurück liegt und daher die eine oder andere Änderung nicht auszuschliessen ist. Ich hab mir so zwischen 2012 und 2015 ein Pickup aus den Staaten geholt, als Womo aufgebaut und als schweres Womo zugelassen. Mir haben viele Leute, zum Teil auch vermeintliche Profis, im Vorfeld gesagt das sei unmöglich...ich hab das Gegenteil bewiesen, aber es brauchte viel Zeit, noch mehr Geduld und das Studium unzähliger Gesetzestexte. Aber ich will dich jetzt nicht schon vergraulen denn wenn Du das Fahrzeug in Europa kaufst wird es wesentlich einfacher, aber Hürden wird es da auch noch genug geben gerade bei Eigenbau des Koffers ![]()
Wo ich mit meinen Vorrednern einig bin ist dass kein weg daran vorbei führt ein solches Projekt mit der entsprechenden MFK vorgängig und auch während des Baus zu besprechen.
Wo ich nicht einig bin ist dass sich TÜV und MFK nicht wesentlich unterscheiden. Für mich sind das deffinitiv 2 paar Schuhe. So ist ein, so wie ich es nenne, "Tüv-hopping" also das springen von Prüfer zu Prüfer bis man einen gefunden hat der das einträgt was man will bei uns praktisch unmöglich. Du kannst dir zwar die MFK deiner Wahl aussuchen, nicht aber welchen Prüfer du da bekommst. Und zumindest bei der Nachkontrolle kannst du nicht die MFK wechseln wenn eine mal einen Entscheid gefällt hat der einem nicht gefällt, bei einer Neuzulassung könnte man da vielleicht -Betonung auf vielleicht- was drehen. Aber auch dann entscheidet grundsätzlich die MFK welcher Prüfer dein Fahrzeug dann abnimmt.
Bei solch doch eher komplexen Geschichten lief das zumindest bei mir so dass meine Emails schlussendlich alle auf dem Tisch vom Technik-Cheff meiner MFK landeten, welcher mit viel Geduld und vielen Tips und auch einigen Dokumenten sehr zur erfolgreichen Zulassung beigetragen hat.
Grundsätzlich arbeiten alle MFK nach der gleichen Rechtslage, somit dürften es auch keinen Unterschied machen zu welcher MFK du fährst... Soweit zumindest die Theorie
In der Praxis musste ich feststellen dass es durchaus unterschiede gibt. So gab es MFK welche gerne mal nicht so auskunftsfreudig waren und nur das nötigste an Infos rausrückten, andere hingegen (mein oben genannter Technik-Cheff z.B) haben auch auf Fallstricke hingewiesen und sehr geduldig all meine Fragen beantwortet.
Was man da aber nicht erwarten darf ist eine klare Antwort wie "ja das geht" oder "nein das geht nicht". Mir wurden immer die entsprechenden Gesetzestexte geschickt, zum Teil auch Dokumente wo das mit schönen Bildern usw. auch für Laien verständlich ausgeführt wurde und ich musste dann daraus schliessen ob das was ich vorhabe geht oder nicht. Manchmal gab es einige Anmerkungen wie das in der Praxis gehandhabt wird und gerade bei meiner MFK hab ich mehrfach feststellen müssen dass man soweit es die Gummiparagraphen es zulassen eher auf unbürokratische und pragmatische Problemlösungen setzt als auf Paragraphenreiterei. Aber auch da kommt es auf den Prüfer drauf an und vielleicht auch wie gut der geschlafen hat und ganz sicher auch darauf wie man selber da auftritt...
Zum Thema selber bauen: Ich hab mein Koffer bauen lassen, dabei hab ich auch darauf bestanden einen Wisch dazu zu bekommen. Darauf stand eigentlich nur dass der Aufbau nach den Richtlinien des Herstellers ausgeführt wurde, mit Stempel und Unterschrift. Mir wurde gesagt dass der Wisch, obwohl er eigentlich nichts über Qualität usw. aussagt, bei der Zulassung Gold wert gewesen sei.
Wie das bei Eigenbau gehandhabt wird kann dir sowieso nur die entsprechende MFK beantworten. Sicher hilfreich wird sein wenn du bei der Anfrage schon bekundest dass du gewillt bist alle technischen und rechtlichen Anforderungen zumindest gerecht zu werden oder sogar zu übertreffen. Was sicher auch helfen würde wäre wenn Du Beziehungen zu Fahrzeugbauern hast welche du der MFK als beratend zur Seite stehed verkaufen kannst. Wenn die Beziehungen so gut sind dass sie einen Wisch mit Unterschrift beisteuern können wäre das natürlcich das nonplusultra, aber da würde der Kollege die Haftung für dein Werk übernehmen...dürfte in vielen Fällen schwierig werden.
Hatte man keine Bescheinigungen lief es früher darauf hinaus dass die MFK entschieden hat ob sie das da vorgeführte Werk verantworten können oder nicht und wenn nicht wurde man an eine Akkreditierte Prüfstelle verwiesen (DTC in Biel oder FAKT, glaub in St Gallen) und die testen dann das ganze und schreiben dir die entsprechende Bescheinigung und zwar tendenziel für eher mehr als weniger Geld.
An diversen Stellen, gerade bei Eigenbauten, las man auch was von Bescheinigungen über die Materialeigenschaften zum verbauten Material, aber konkretes weiss auch da die MFK, denn diesen Schritt hab ich übersprungen ![]()
Zulassung so schnell wie möglich: Pass da bitte auf was du machst, da gibt es einige Fallstricke. Nur als Beispiel: Meine Idee war mein Pickup als 3.5t PKW zuzulassen damit ich während dem Bau damit fahren kann und dann nach erfolgtem Umbau zum Womo auf das ursprüngliche Gewicht von knapp 5 t hochzulasten. Mal davon abgesehen dass das schon abgastechnisch nicht gegangen wäre, wäre ich für eine solche Auflastung nach Aussagen vom DTC *ab* CHF 20'000 dabei gewesen, wohlgemerkt ohne dass sich in der Zwischenzeit technisch am Fahrzeug irgendwas geändert hat.
Dann stellt sich die Frage: Neufahrzeug oder bereits eingelöst? Bei Neufahrzeug gilt dass die Gesetzeslage am Zulassungstag gilt. Sprich wenn du 2 Jahre für den Bau brauchst und die Gesetzeslage sich in der Zwischenzeit ändert kann es sein dass dein Fahrzeug plötzlich z.B. wegen verschärfter Abgasgesetze usw. nicht mehr zulassungsfähig ist.
Auch neu kaufen und Zulassen und dann ausbauen hat seine Tücken. Denn dann ist es erstmal ein Nutzfahrzeug und du musst Tachograph einbauen, der Sonntagsfahrverbot gilt, du bist limitiert auf 80 statt 100km/h (beim MAN vermutlich eh kein Kriterium), fällst unter das Ruhe und Arbeitszeiggesetz, must seiliche Unterfahrschütze anbauen (was beim Womo nicht sein muss aber bei einem grösseren Fahrzeug vielleicht dennoch sinnvoll ist) usw. Die Dinge dann weg zu bekommen ist auch wieder Zusatzaufwand und nicht immer ganz einfach, den Seitlichen Unterfahrschutz könnte man auch mit Stauboxen realisieren welche man vielleicht besser erst nach dam Aufbau anbringt also macht man es 2mal usw, usf ...
So, für Heute muss das erstmal reichen
Gruss
Urs