Danke Campo für die Tabelle. Ist leider optisch schwer lesbar, und wenn man etwas erahnt, dann ist es auch noch „ausländisch“
.
Hersteller und Verkäufer von Batteriemonitoren bewerben ihre Teile damit, dass man „jederzeit über den genauen Ladezustand seines Akkus informiert“, sei.
Ich habe über die Einstellung für meine zukünftigen LiFeYPo4 nach gedacht und behaupte jetzt mal ganz frech, dass das vermutlich bei den wenigsten der Fall ist.
Das liegt im wesentlichen an 3 Einstellparametern.
Peukert Exponent
In meiner ursprünglichen Bedienungsanleitung (Victron Energy, BMV 600S) stand nichts von Lithium. Für das gleiche Gerät hat man in einer späteren Betriebsanleitung einen Absatz für LiFePo zugefügt mit der Empfehlung Peukert=1,15(!).
In aktuellen Bedienungsanleitungen wird 1,1 empfohlen, und in einem YT-Video des gleichen Herstellers sind es 1,05. Na dann ist ja alles klar. Das waren/sind alles Wertangaben des selben Herstellers.
Der Unterschied zwischen 1,05 und 1,15 scheint auf den ersten Blick unwesentlich.
Da es sich aber um einen Exponenten handelt, ist das bereits ein Unterschied deutlich im zweistelligen Prozentbereich.
Wenn ich mir die Entladekurven auf der Winston Homepage genauer anschaue (Kapazitätsangabe abhängig von der Höhe der Stromentnahme), komme ich unter Verwendung eines Peukertrechners tatsächlich in der Gegend von Peukert= 1,05 raus, Tendenz eher noch tiefer (bis 1,03). Ist jetzt natürlich nichts Amtliches, sondern meine private Überlegung.
Und noch ein grundsätzlicher „Systemfehler“?
Die Kapazität seiner verbauten Akkus, die man im Batteriemonitor eingibt, ist aus Zeiten von Bleiakkus her definert als "Kapazität, die ein Akku bei einer Stromentnahmedauer von 20 Stunden hat". Das entspricht bei einer 100Ah-Batterie 5A. Alle von diesen 5 A abweichenden Stomentnahmen bewertet der Rechner mit dem Peukertwert als kapazitätsvergrößernd oder -verkleinernd. Werden 1 Std lang 10A entnommen, macht der Rechner daraus 11,2Ah (Peukert =1,05) oder auch 14,1 Ah (Peukert=1,15).
Bei Entnahme unter 5A geht es entsprechend in die Richtung einer (theoretischen) Kapazitätsvergrößerung.
Und wie ist das bei Lithiumakkus? Die kleinsten Stromentnahmen, die Winston in seinen Kurven verwendet, sind 0,5C. Das sind bei meinen 160Ah-Akkus 80A, was einer Entladezeit von 2 Stunden entspricht. Wenn jetzt der Batteriemonitor die Definition von Bleiakkus zugrunde legt, wird er alles, was über 8A (Stomentnahme 20 Stunden) entnommen wird, als kapazitätsverkürzend berechnen. Tatsächlich ist aber alles, was unter 80(!)A entnommen wird (also eigentlich alles), kapazitätserhöhend.
Das heißt, nicht nur der Exponent ist fraglich, sondern sogar auch noch das Vorzeichen (kapazitätsverkleinernd statt eigentlich kapazitätsvergrößernd)?
Und alle Fehler werden in jeder Nutzungsminute größer (oder heben sich wieder auf
)!
Ladeeffizienz
Anders als für den Peukert-Exponenten gibt Victron Energy hierfür nur einen Wert an, nämlich 0,99%, in der Bedienungsanleitung und im YT-Video.
Fraron spricht bei seinem Lithiumakku (ohne Y) von 92%. Einheitlich ist anders.
Und noch etwas. Die Ladeendspannung sollte ja möglichst „etwas“ über der Spannung des Ballancerbeginns liegen, damit das Ballancen halbwegs zügig geht. Das heißt, die Ballancer verbraten etliches an Energie (bei meinen sollen es bis zu 3,5A sein! Das wären an die 50 W!).
Was registriert denn eigentlich der Batteriemonitor? Der hat eine Ladeeffizienz für den Akku von 99% (oder auch 92%) eingestellt. Berechnet der nicht alles, was die Ballancer verbrauchen, als in den Akku eingelagerte Amperestunden?
Ich habe bereits gelesen, man könne seinen alten Solarregler ruhig weiter verwenden. Falls der Solarstrom jedoch dauerhaft die Ballancer befeuert und der Batteriemonitor addiert das zum Akkufüllstand, wird das vermutlich zu einer weiteren starken Ungenauigkeit der Anzeige führen.
Akku voll, Reset
Victron empfiehlt, die Volladung prinzipiell nach gleichen Kriterien wie bei Bleiakkus zu definieren, nämlich über erreichte Spannung und „Schweifstrom“. Also wie lange Strom unter einer bestimmten Grenze aufgenommen wird. Auch hier muss man aufpassen. Liegt die Endspannung über Ballancerbeginn, wird der Ladestrom nie unter den Ballancerstrom absinken.
Mein Fazit
Alleine die Empfehlungen für den Peukert Exponent (1,05 bis 1,15 und weitere?) und Ladeeffizienz (0,99%-0,92 und weitere?) dürften für immense Streuungen sorgen.
Evtl vom Batteriemonitor fälschlicherweise dem Akku zugeschlagene Ballancerleistung dürfte die Genauigkeit ebenfalls nicht erhöhen.
Wichtig in diesem Zusammenhang wird die Definition von „Akku voll“ sein, damit der Monitor nicht zu lange seine diversen Fehler addiert und schnell wieder einen Reset macht. Das wird aber nicht einheitlich sein, denn die Spannungen für den Ballancerbeginn sind nicht bei jeder Anlage gleich.
2 Fragen an euch.
Hat jemand nach einiger Zeit ohne „Batterie voll“, also ohne Reset, einmal eine Plausibilitätsprüfung gemacht, ob sein Monitor halbwegs die Realität anzeigt? Aber wie macht man das eigentlich? Bei der Überprüfung die Werte des Gerätes als Beweis zu verwenden, das man überprüfen möchte, ist nämlich nicht zulässig
.
Und um die „Genauigkeit“ der Anzeige zu verbessen (oder vielleicht erst einmal zu erreichen): Kennt jemand für obige Parameter gemessene Werte oder gar Angaben des Herstellers?
Gruß Restler